InhaltsstatusAnhand von Quellen geprüftWikimedia research dossier · Zuletzt geprüft: 2026-09-16 06:05:44

Die Çiçek Pasajı, ursprünglich bekannt als Cité de Péra, befindet sich an der İstiklal Caddesi im Istanbuler Stadtteil Beyoğlu und gilt als eines der prunkvollsten Gebäude der Gegend. Als Ladenpassage verbindet sie die Grand Rue de Pera mit der Sahne Sokak.

Der Ursprung des Bauwerks geht auf das Gelände des Naum-Theaters zurück, das beim Großen Brand von Pera im Jahr 1870 schwer beschädigt wurde. Das Theater, das häufig von den Sultanen Abdülaziz und Abdülhamid II. besucht wurde und Giuseppe Verdis Oper Il Trovatore noch vor den Opernhäusern in Paris aufführte, brannte bis auf die Grundmauern nieder, woraufhin der osmanisch-griechische Bankier Hristaki Zografos Efendi das Grundstück erwarb.

Hristaki Zografos Efendi beauftragte den Architekten Kleanthis Zannos mit dem Entwurf eines neuartigen Gebäudes, das einen Basar und Luxuswohnungen umfasste. Das 1876 fertiggestellte Gebäude enthielt 39 Geschäfte und 18 Luxuswohnungen, wobei der kommerzielle Bereich zunächst Hristaki Pasajı und der Wohnbereich Cité de Péra genannt wurde.

Das dreistöckige Gebäude erstreckt sich über ein großes Areal und besteht hauptsächlich aus Stein. Gewölbte Korridore verbinden den Haupteingang an der İstiklal Caddesi mit dem Eingang an der Sahne Sokak, flankiert von Ladenreihen. Seine nordöstliche Fassade weist über drei Etagen eine halbrunde Form auf.

Die Schaufassade zeigt eine opulente Architektur mit Karyatiden an der Nordfassade sowie Löwen- und Menschenköpfen im mittleren Bereich des obersten Stockwerks. Diese Dekorationen machen das Bauwerk zu einem typischen Beispiel für den Eklektizismus des 19. Jahrhunderts, ergänzt durch einen flachen rundbogigen Giebel, der über dem Eingang der İstiklal Caddesi bis zum Niveau des dritten Stocks reicht und eine nicht funktionierende Uhr mit römischen Ziffern beherbergt.

Ursprünglich beherbergte die Passage hauptsächlich von Griechen und Armeniern betriebene Geschäfte wie Blumenläden, Kürschner, Schneider, Tabakhändler, Buchbinder und Konditoreien. 1908 ging das Eigentum an Großwesir Mehmed Said Pascha über, weshalb sie zeitweise als Sait Paşa Pasajı bekannt war.

Der Prozess, der zum heutigen Namen der Passage führte, ist mit einer mündlichen Migrantenüberlieferung verbunden. Nach der Russischen Revolution von 1917 suchten verarmte russische Flüchtlinge, darunter adelige Frauen, während der Waffenstillstandsjahre Schutz in der Passage, um den Belästigungen besetzter Soldaten zu entgehen, und verkauften Blumen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In den 1940er Jahren fanden hier Blumenversteigerungen statt, und die Einheimischen nannten sie fortan Çiçek Pasajı (Blumenpassage).

Im Laufe der Zeit wandelte sich der Charakter der Passage. Ab den 1940er Jahren zogen Weinlokale und Kneipen die Massen an, angefangen mit Yorgos Weinstube, gefolgt von beliebten Treffpunkten wie dem Nektar-Bierhaus. Bis zum Ende der 1950er Jahre zogen Blumenläden in andere Straßen um, und die Passage nahm vollständig eine Identität als Taverne an.

Das vernachlässigte Gebäude erlebte in seiner Geschichte auch Tragödien und erlitt in der Nacht zum 10. Mai 1978 einen plötzlichen Einsturz, der 12 Todesopfer forderte. Bis 1988 lag es in Trümmern, wurde dann auf Initiative der Gemeinde und des Vereins zur Erhaltung und Verschönerung der Çiçek Pasajı originalgetreu restauriert, gefolgt von weiteren Renovierungen in den Jahren 2005 und 2022.

Die Çiçek Pasajı entwickelte sich nicht nur zu einem kommerziellen und architektonischen Treffpunkt, sondern auch zu einem beliebten Stammlokal für gefeierte Größen der türkischen Literatur wie Yahya Kemal, Faruk Nafiz Çamlıbel, Sait Faik, Orhan Veli und Oğuz Atay, wodurch der Ort tief in literarischen Erzählungen verankert wurde.

Besucher Istanbuls, die heute von der İstiklal Caddesi herankommen, können durch die gewölbten Korridore dieser historischen Passage schlendern und die prunkvollen Karyatiden sowie die Fassadenuhr betrachten. Indem es durch seine Restaurants und seine lebendige Atmosphäre Spuren der Vergangenheit bewahrt, bietet der Ort den Besuchern ein historisches und kulturelles Erlebnis.

TypLegende
StadtgebietKâğıthane · Esenyurt · Beyoğlu
StatusAnhand von Quellen geprüft